Leader Thurgau Special | August 2008


Von der Arbeitslosigkeit ins Mode-Business

Text und Bild: Marcel Baumgartner

Eines der derzeit grössten wirtschaftlichen Probleme ist die Jugendarbeitslosigkeit. Wer davon betroffen ist, kann in eine tiefe Krise stürzen. Es braucht Energie und Selbstbeherrschung, um aus ihr herauszufinden. Die 25-jährige Ramona Bonbizin kennt diese Situation nur zu gut. Nach 18 Monaten Arbeitslosigkeit und einigen unfairen Behandlungen durch Arbeitgeber schlug sie einen steinigen Weg ein, der sie aus ihrer Misere herausführen sollte.

«Werde dein eigener Chef.» Davon träumen viele. Einige haben es gewagt. Und einige Glückliche beherrschten den Seiltanz zwischen Erfolg und Misserfolg. Noch hat die junge Thurgauerin Ramona Bonbizin «die heiklen ersten fünf Jahre» nicht überstanden. Knapp zwei hat sie als selbständige Unternehmerin hinter sich. Gewonnen habe sie einerseits Freiheiten und andererseits endlich wieder einen Halt im Leben.

Anfang 2005 wurde die gelernte Verkäuferin arbeitslos - nach dreijähriger Tätigkeit in der Lebensmittelbranche. Und es sollte sich schon bald herausstellen, dass der Wiedereinstieg in die gewohnte Arbeitswelt nicht einfach - wenn nicht gar unmöglich - werden würde. Ramona Bonbizin schrief zahlreiche Bewerbungen, fand jedoch keine Stelle. Auch zwischenzeitliche Hoffnungen wurden schnell wieder zerstört. «Einmal wurde mir eine Stelle in einem neu zu eröffnenden Geschäft zugesagt», erinnert sich die Thurgauerin. Kurze Zeit später erhielt sie jedoch die Nachricht, dass aus dem Unternehmen nun doch nichts werde. Die Enttäuschung war gross. Noch grösser wurde sie, als sie einen Monat später erfuhr, dass man sie belogen hatte: Das Geschäft wurde sehr wohl eröffnet, die Stelle jedoch mit einer anderen Kraft besetzt.

Die Geburtsstunde von fashionbiz
Verständlich, dass in dieser Situation mit der Zeit auch Selbstzweifel aufkamen. «Man fragt sich, was man falsch macht», so Ramona Bonbizin. Sie beruhigte sich dann jeweils mit der Tatsache, dass auch andere Personen in ihrem Umfeld mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatten. Trotzdem war für sie immer klar, dass sie nicht in der Arbeitslosigkeit festsitzen wollte. «Hilft einem niemand anders, so helfe ich mir halt selber», sagte sie sich und hielt Ausschau nach Ideen für ein eigenes Geschäft. Zeitgleich besuchte sie einen vom RAV vermittelten Kurs zum Thema «Selbstständigkeit» und erstellte erste Businesspläne für potenzielle Unternehmen. «Da merkte ich rasch, dass ich gewisse Ideen wieder verwerfen musste - beispielweise jene vom eigenen Schuhgeschäft für Männer. Mein Geld wäre auf der Bank besser aufgehoben gewesen als in diesem Segment.»

Schliesslich stiess Ramona Bonbizin dann aber zusammen mit ihrem Lebenspartner Chris Kradolfer auf eine zukunftsträchtige Business-Idee: Massmode für Männer und Frauen - in guter Qualität, aber zu günstigen Preisen. Das Unternehmen «fashionbiz» war geboren. Das war im September 2006.

Produktion im Ausland
Das Prinzip ist einfach und könnte genau deshalb funktionieren. Genau wie in renommierten Modehäusern lassen sich Kunden die Masse nehmen und wählen Stoff und Design aus. Innert kurzer Zeit erhalten sie das perfekte passende Kleidungsstück: vorwiegend Anzüge für Herren, Abend- und Hochzeitskleider für Frauen. Ramona Bonbizin ist für die Beratung und das Massnehmen verantwortlich. Die Stoffe und Schnittmuster werden vom Lieferanten zur Verfügung gestellt. Produziert wird im Ausland. Die Massanzüge und Hosen werden in Hongkong und Peking und die Hemden in Indien genäht. Weil die Jungunternehmerin in Neukirch-Egnach weder über eigene Ladenfläche noch über Personal verfügt, kann das ganze Sortiment zu wesentlich günstigeren Preisen angeboten werden. Die Grundfaktoren für ein neues Geschäft stimmen also: Die Nachfrage nach dem Produkt dürfte niemals gross einbrechen. Und für die Kunden ist es in einem attraktiven Preissegment eingegliedert.

Stellt sich noch die Frage nach den fachlichen Kompetenzen. Die beiden Mittzwanziger verbindet wohl ihr gemeinsames Interesse an der Mode. Doch das würde nicht ausreichen, um den steigenden Ansprüchen gerecht zu werden. «Ich hatte während meiner Arbeitslosigkeit vielt Zeit, mich noch intensicher mit dem Thema auseinanderzusetzen, habe zahlreiche Bücher gelesen und mir so ein grosses Wissen angeeignet», unterstreicht Ramona Bonbizin. Natürlich sei ihr Alter beim einen oder anderen Kunden anfangs ein Thema. Bester Beweis für die Qualität und Kompetenz sei jedoch, dass die meisten Kunden zu Stammkunden werden. Und davon hat sie bereits einige - seien es Privatpersonen oder Firmen, die sie auch persönlich besuche.

Arbeit unterschätzt
Ramona Bonbizin hat ihr Schicksal selber in die Hände genommen. Zwar habe sie nun mehr Freiheiten als in einem Angestelltenverhältnis, jedoch sei die Arbeit nicht zu unterschätzen. Und genau das habe sie zu Beginn getan. «Man ist eigentlich nie fertig, könnte immer noch mehr machen. Und mit den Gedanken ist man fast rund um die Uhr im Geschäft. Das war anfangs eine Umstellung», sagt sie. Nach den Rückschlägen in der Vergangenheit läuft es nun aber wieder runder. Noch sei der absolute Grosserfolg nicht da. Dafür müsse sie noch bekannter werden. Aber die Richtung stimmt. Und das ist schon einmal mehr als viele Jungunternehmer nach zwei Jahren behaupten können.



Zum Unternehmen
fashionbiz bonbizin & co. wurde 2006 von Ramona Bonbizin (Jahrgang 1983) und Chris Kradolfer (Jahrgang 1981) gegründet. fashionbiz verschafft seinen Kundinnen und Kunden mit perfekt sitzender Kleidung nach Mass einen souveränen Auftritt - ein echter Erfolgsfaktor nach dem Motto «Kleider machen Leute». Neben dem Textilhandel mit edler Massmode werden die Dienstleistungen im Bereich Make-Up, Photographie und Public Relations angeboten. Das ganze Portfolio rundet das Online-Fashionmagazin «fashionpaper» ab. Weitere Infos unter www.fashionbiz.ch.

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